MSC/GE News
Titel: 25 Jahre MSC Datum: 01.09.2007
Dieser Artikel erschien in der Markt&Technik Ausgabe 29/2007 und wurde redaktionell von Carmen Skupin bearbeitet. Download des gesamten Artikels 25 Jahre MSC [PDF 590KB]
25 Jahre MSC
Technische Kompetenz als Markenzeichen

Mit steigender Komplexität der elektronischen Komponenten und Systeme verlieren auch die reinen Kistenschieber unter den Halbleiter-Distributoren an Bedeutung. Kein Wunder also, dass sich immer mehr Firmen mit beeindruckenden FAE-Zahlen und Design-In-Kompetenz schmücken. Nur wenige Distributoren gehen den Weg Richtung Fullservice- und Lösungsanbieter seit Jahren so konsequent wie die MSC.

Wer sich als Bauelementedistributor im Bereich Engineering richtig aufgestellt hat, hat heutzutage gegenüber dem Wettbewerb einen Vorsprung von mindestens drei Jahren, eher noch mehr.« Lothar Kümmerlin, für das Engineering verantwortlicher Managing Director der MSC, und Rüdiger Kuhn als kaufmännischer Geschäftsführer an der Seite des Unternehmensgründers Manfred Schwarztrauber, haben in den vergangenen Jahrzehnten die Geschicke der MSC Vertriebs GmbH wesentlich mit geprägt und den nordbadischen Mittelständler zu einem der erfolgreichsten europäischen Bauelemente-Distributoren geformt.

Gegründet wurde die MSC 1982 als einer der ersten autorisierten Distributoren für Hitachi-Produkte. Trotz der sich schnell einstellenden Vertriebserfolge hat Schwarztrauber von Anfang an nie seine Wurzeln verleugnet, ist im Tiefsten seines Herzens immer auch ein Stück weit Entwickler geblieben.
»Wer im Distributionsgeschäft erfolgreich ist, läuft mitunter schnell Gefahr, sich nur noch auf die Einkäufer zu fixieren und dabei die Probleme und Interessen der Entwickler aus den Augen zu verlieren. Bei Commodities mag das noch funktionieren, bei anspruchsvolleren Produkten kann dies für einen Distributor allerdings fatale Folgen haben«, erklärt der erfolgreiche Unternehmenslenker und erinnert dabei an die vielen Wettbewerber, deren Namen sich inzwischen bestenfalls noch in den Annalen der Distributionsgeschichte finden.

Für Schwarztrauber war diese frühe Erkenntnis denn auch Anlass, bereits 1987 und damit als erster Distributor überhaupt eine eigene Entwicklungsabteilung zu gründen. In den ersten Jahren fast ausschließlich auf die Distribution von Speicherprodukten fixiert, folgten gegen Ende der 80er-Jahre die ersten weiteren großen Linien, 1988 Samsung, 1990 Inmos - MSC begann, an Fahrt zu gewinnen. Mit Herstellern wie Actel, Atmel und Lattice kamen im Laufe der Jahre weitere Design-In-intensive Linien hinzu, und so ergab eben das eine das andere, sprich der klassische Broadliner-Vertrieb trat immer mehr in den Hintergrund, der technische Support rückte dafür immer mehr in den Mittelpunkt.

Heute, 25 Jahre nach der Unternehmensgründung, ist die MSC mit europaweit rund 800 Mitarbeitern, einem Umsatz von weit über 250 Mio. Euro, 50 Herstellerlinien und 33 Vertriebsniederlassungen im In- und Ausland nicht nur einer der größten europäischen Bauelemente-Distributoren, sondern ein Unternehmen, das mehr und mehr zum Fullservice-Dienstleister diversifiziert.

Die Kombination aus klassischer Bauelemente-Distribution und Entwicklungsdienstleistungen findet in der Industrie offensichtlich immer mehr Anhänger. Wurden vor zehn Jahren nur etwa 5 Prozent des Umsatzes mit Design und Entwicklungsdienstleistungen erzielt, sind es heute schon rund 25 Prozent, Tendenz weiter steigend.

Für Lothar Kümmerlin kommt dies nicht von ungefähr:
Die in den letzten Jahren rasant gestiegene Komplexität der Produkte und Technologien veranlasse immer mehr Kunden, vor allem aus dem Mittelstand, zu einem radikalen Umdenken.
»Die Firmen wollen sich nicht mehr mit peripheren Problemen herumschlagen, sondern sich wieder mehr auf ihre Kernkompetenzen, auf ihre Endgeräte und Applikationen konzentrieren.«

Für Rüdiger Kuhn verbergen sich hinter diesem Trend vor allem auch wirtschaftliche Abwägungen:
»Einen Partner zu haben, der einem im Bedarfsfall von der Entwicklung über die Bauteilebeschaffung bis hin zur Just-in-Time-Lieferung ans Fertigungsband alles abnimmt, ist für Kunden in der Regel unter dem Strich erfahrungsgemäß weitaus günstiger als jede andere Lösung.«
Das setzt allerdings voraus, dass dieser Partner in allen relevanten Bereichen über die notwendige Expertise verfügt. Schwarztrauber räumt ein, dass es auch für MSC ein langer und oft beschwerlicher Weg bis zu dem Punkt war, an dem man inzwischen angelangt ist. »Kunden über die Design-In-Phase hinaus mit Rat und Tat bei der Realisierung ihrer Projekte unterstützen zu können, ist eine wunderbare Sache, weil sie de facto allen Beteiligten den vielgeforderten Mehrnutzen beschert. Wer allerdings glaubt, sich das dafür nötige Know-how über Nacht aneignen zu können, dürfte eine ziemlich herbe Enttäuschung erfahren.«
Angefangen hat alles damit, dass MSC vor 20 Jahren die Speicherbauelemente nicht mehr nur lose, sondern auch in Form selbst entwickelter und produzierter Module verkaufte. Seit diesem Zeitpunkt wurde Schritt für Schritt eine Entwicklungsgruppe nach der anderen mit unterschiedlichen Schwerpunktthemen ins Leben gerufen.
Heute beschäftigt die MSC allein in ihren vier Design-Zentren über 120 Ingenieure. Während man sich in Neufahrn und Eching bei München auf Boardlevel-Produkte, BIOS, Softwareintegration, Grafiksysteme und Systementwicklung konzentriert, sind die Entwicklungszentren ’Embed-ded Applications’ in Aachen und ’Embedded Technologies’ in Stutensee u.a. für Bereiche wie RISC-Prozessoren, Bus-Systeme, FPGA-Design, Mikrocontroller, Masken-Firmware, Anwendungs-Software, Gerätetreiber und Echtzeitbetriebs-Systeme zuständig. Stutensee verfügt darüber hinaus über ein ASICDesign- Center, ein Layout-Center sowie eine eigene Fertigungslinie für die schnelle Produktion von Prototypen und Kleinserien.

»Wir haben von Anfang an nach Möglichkeiten gesucht, wie wir uns vom Wettbewerb möglichst klar abgrenzen können. Am einfachsten gelingt dies auch heute noch immer über technische Kompetenz und exzellenten Service, vor allem wenn man sich wie MSC auf technisch beratungsintensive Produkte wie Mikroprozessoren und -controller inkl. Betriebssystemsupport, programmierbare Logikbausteine inkl. VHDL-Support, dazugehörige Entwicklungsplattformen, ASICs (SOC-Lösungen), Grafik-/Flatpanel-Lösungen inkl. Ansteuersupport, Akkus, RFIDChipsets und kundenspezifische Speichermodule fokussiert«, so die Erfahrung des Unternehmensgründers.

Das zeigt sich zum Beispiel auch bei der Entwicklung und Serienfertigung von hochintegrierten Embedded-Board-Level-Produkten, die Anwendern den einfachen und schnellen Zugang zu neuen innovativen Technologien erleichtern sollen. Oder beispielsweise beim Programmierservice, der, mit modernsten Programmierrobotern ausgestattet, in letzter Zeit immer mehr Zulauf von außen bekommt. Denn selbst für Unternehmen, die eine Million programmierte Bauteile im Jahr benötigen, rechnet sich Beschaffung, Unterhalt und Pflege der notwendigen Maschinen inklusive der erforderlichen Logistik heutzutage nicht mehr. Damit das von verschiedenen Bauelementeherstellern auditierte und freigegebene MSC Programmiercenter immer auf dem modernsten Stand der Technik ist, wurden allein in den vergangenen fünf Jahren mehr als 3 Millionen Euro ausgegeben, und 2007 stehen wieder Investitionen im siebenstelligen Bereich an.

»Kleinere Gehäuse mit steigenden Pin-Zahlen und immer größere Flash-Speicher erfordern eben den Einsatz neuer, immer schnellerer Systeme, und auch die Vielfalt der benötigten Programmieradapter und die ständig zu aktualisierenden Programmieralgorithmen verschlingen immense Summen«, so Kümmerlins Erfahrung.
Aber nur damit gelinge es, den Durchsatz selbst bei sehr hohen Logik- oder Speichergrößen konstant hoch zu halten und damit die Durchlaufzeiten zu optimieren.

Kuhn ist sich sicher, dass in diesem anspruchsvollen Geschäft nur wenige Wettbewerber übrig bleiben werden, zumal der Kunde seiner Ansicht nach den größten wirtschaftlichen Nutzen aus der Kombination komplementärer Programmier- und Logistikdienstleistungen zieht. »Wer programmierbare Bausteine in großem Maßstab einsetzt, wird über kurz oder lang schon aus Kostengründen an einer Partnerschaft mit einem Fullservice-Dienstleister nicht vorbei kommen«, so seine Prognose. Nicht nur im Hinblick auf das schnell wachsende Programmiercenter spielen bei der MSC neben Kanban, Konsignationsläger usw. auch kundenoptimierte Logistikkonzepte eine immer größere Rolle.

Das europäische Logistikzentrum in Stutensee beherbergt auf einer Fläche von über 6000 m² Millionen von Bauteilen und Komponenten, wobei automatisierte Verpackungs-und Versandsysteme, kundenspezifische Barcodelabels, Tracebility für jedes einzelne Bauteil etc. höchstmögliche Logistik-Standards gewährleisten. »Bei uns benötigt die eingehende Ware nicht erst ein oder zwei Tage, bis sie alle Kontrollen durchlaufen hat. Wie in der Entwicklung, sind wir auch in der Distribution und Logistik auf Schnelligkeit, Flexibilität und Lieferzuverlässigkeit fixiert«, so Kuhn.

Entwicklungs-, Programmier-,Distributions- und Logistikservices:
Für Firmengründer Schwarztrauber ist es wichtig, dass die MSC mit ihren Fullservice-Paketen immer im Einklang mit den Interessen ihrer Kunden steht. Die Möglichkeit, dass das Unternehmenskonzept unabsichtlich bei einzelnen Kunden eine Mitbewerbssituation generieren könnte, schließt das Management deshalb auch unisono aus: »Für uns sind die eigenen Entwicklungsaktivitäten auch in Zukunft nur Mittel zum Zweck. Wir wollen erreichen, dass sich unsere Kunden voll auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren können. Nur ohne eigenes Technologie-Know-how könnten wir diesen hohen eigenen Ansprüchen auf Dauer definitiv nicht gerecht werden«, ist sich das Management einig.