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Lichtblick
Intelligente Kamera-Sensoren via Glasfaser mit Strom versorgen
Strom aus der Lichtleitung: Zwei Institute in
Karlsruhe haben gemeinsam einen Kamera-Sensor entwickelt, der seine Daten per
Glasfaser übermittelt und den Strom aus der gleichen Verbindung bezieht. Da
Power over Fiber nur wenig Energie liefert, steht Stromsparen an – besonders
beim FPGA. Allein der Igloo von Actel erfüllte die Anforderungen.
In optisch versorgten Netzwerken und Systemen (PoF, Power
over Fiber) liefert eine Hauptstelle Energie an ihre entfernt liegenden Sensor-
oder Kommunikationseinheiten per Lichtfaser (Bild 1). Solche Systeme bestehen im
Wesentlichen aus einer Hochleistungslaserdiode in der Hauptstelle, einer
Glasfaser, welche die optische Leistung überträgt und einer photovoltaischen
Zelle (Konverter), die die optische Leistung in elektrische Energie wandelt.
Diese Energie kann eine Elektronikbaugruppe versorgen. Ein weiterer Laser
schickt die gewonnenen Messdaten durch dieselbe oder eine zusätzliche Faser
zurück zur Hauptstelle.
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| Bild 1: Der Laser in der Zentraleinheit (links) liefert Licht, aus dem die Photodiode in der Sensoreinheit (rechts) den Strom für die Elektronik gewinnt. Durch die selbe Glasfaser liefert der Sensor seine Messdaten. |
Neben den Einsparungen für eine eigene Stromversorgung haben
PoF-Systeme etliche Vorteile. Sie sind unempfindlich gegenüber
elektromagnetischen Einflüssen und Störungen sind und eignen sich für den
Einsatz in gefährlichen Umgebungen, in denen beispielsweise Funkenbildung
vermieden werden soll. Die zentrale Energieversorgung über optische Datenkabel
liefert nebenbei eine galvanische Trennung und erlaubt eine breitbandige
Datenkommunikation. Wie ein PoF-System in der Praxis aussieht, zeigen das
Karlsruhe Institute of Technology (KIT) zusammen mit den Instituten für Photonik
und Quantenelektronik (IPQ) sowie für Technik der Informationsverarbeitung
(ITIV). Die von ihnen entwickelte optisch versorgte Sensor/Aktor-Einheit (Bild
2) nimmt mit Hilfe einer beweglichen Kamera ein farbiges Bewegtbild auf,
verarbeitet sie und übermittelt einen Videostream in VGA-Auflösung mit 22
Bildern pro Sekunde.
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 | Bild 2: Die kleine Sensoreinheit besitzt neben der
beweglichen Kamera einen Mikrocontroller und ein FPGA, deren Stromversorgung
durch den Lichtwellenleiter kommt (in diesem Aufbau sind Daten- und
Energieleitung getrennt). |
Leistungsfrage
In der Hauptstelle sendet eine Hochleistungslaserdiode auf
der Wellenlänge 808 Nanometer eine optische Leistung von 800 Milliwatt zur
Versorgung der gesamten Einheit. Zusätzlich wird der Versorgungsstrom der
Laserdiode moduliert, um Steuersignale von der Hauptstelle zur entfernten
Einheit zu übertragen. Daraus erzeugt im Sensor die photovoltaische Zelle – eine
Spezialfertigung des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme in Freiburg
– eine Zwei-Volt-Gleichspannung mit 40 Prozent Wirkungsgrad. Dieser Spannung ist
das hochfrequente Steuerdatensignal überlagert. Der Gleichspannungsanteil lädt
einen Kondensator und versorgt die gesamte Sensoreinheit mit Energie. Ein
LC-Glied koppelt das Datensignal aus nach Verstärkung durch einen
Transimpedanzverstärker dekodieren die digitalen Komponenten der Sensoreinheit
das Signal.
Für die Überwachung und Steuerung der Sensoreinheit sind ein Mikrocontroller
MSP430 von Texas Instruments sowie ein Igloo- FPGA von Actel zuständig. Der
Mikrocontroller übernimmt das Energiemanagement der Sensoreinheit und erfasst
mit Hilfe der integrierten AD-Wandler die analogen Messwerte. Hinzu kommen
weitere Steueraufgaben, die keine Echtzeitbedingungen erfordern. Aufgrund des
geringen Leistungsbedarfs von zwei Milliwatt im aktiven Betriebszustand erlaubt
der Mikrocontroller eine sehr flexible Verwendung der Sensoreinheit. Je nach
aktuell verfügbarer Leistung am optoelektronischen Konverter können einzelne
Komponenten der Sensoreinheit in einen Ruhemodus versetzt werden, wenn
beispielsweise die Anzahl der übertragenen Bildern pro Sekunde reduziert werden
kann.
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| Bild 3: Der Igloo-FPGA übernimmt die Vorverarbeitung der Sensordaten, steuert die Kamera und kommuniziert via SPI mit dem benachbarten Mikrocontroller, der für Powermaganement und AD-Wandlung verantwortlich zeichnet. |
Arktische Verhältnisse
Auch für den FPGA ist die Betriebsstromaufnahme entscheidend.
Deshalb fiel die Wahl auf eine Komponente der Igloo-Serie von Actel. Der FPGA
unterstützt den Mikrocontroller bei der zeit- und rechenintensiven
Datenverarbeitung in der Sensoreinheit. Dazu gehören neben der Annahme und
Pufferung der Videodaten des CMOS-Bildsensors auch die Kodierung des 160 Megabit
pro Sekunde schnellen Sendesignals, das eine Drei-Milliwatt-Laserdiode zur
Basisstation zurücksendet. Zudem dekodiert der FPGA das Steuersignal vom
optoelektronischen Wandler und liefert entsprechende Steuersignale für den
MSP430-Mikrocontroller. Dieser hat über ein SPI-Interface beispielsweise die
Möglichkeit, empfangene Datenpakete auszulesen und eigene Datenpakete in den
Sendedatenstrom einzubringen. Ferner kann der Mikrocontroller auf
Konfigurationsparameter des CMOS-Sensors zugreifen und dessen Ausrichtung durch
Servomotoren verändern.
Die Versorgungsspannungen von 2,5 beziehungsweise 1,5 Volt
für FPGA und CMOS-Sensor liefern zwei effiziente Schaltregler von Texas
Instruments, die ihrerseits vom MSP430 Mikrocontroller gesteuert werden.
Insgesamt benötigt die Sensoreinheit 160 Milliwatt elektrische Leistung für die
Erfassung und Übertragung von 22 Farbbildern pro Sekunde in VGA-Auflösung. Davon
benötigt der CMOS-Bildsensor 50 Milliwatt und das Igloo-FPGA 80 Milliwatt. Die
restliche Leistung wird für die weiteren Komponenten der Sensoreinheit verwendet
oder geht bei der Spannungswandlung verloren.
Die nächsten Schritte in dieser Forschungsarbeit werden darauf abzielen, den
Leistungsbedarfs der Elektronik weiter zu senken, insbesondere bei FPGA und
Sensoren. In der FPGA-Entwicklung ist aktuell ein sich schnell änderndes
Portfolio an Bausteinen zu verzeichnen, welche sich durch weitere Verringerung
der Verlustleistung auszeichnen. Der Einsatz rekonfigurierbarer Hardware ist in
diesem innovativen Forschungsprojekt von essentieller Bedeutung. Neue
Algorithmen zur Vorverarbeitung der Sensordaten durch die Sensoreinheit selbst
ermöglichen die effiziente Datenübertragung über den optischen Kanal. Die
Datenverarbeitung und -reduktion kostet zunächst zwar Energie, spart dafür aber
Energie bei der Übertragung. Die parallele Datenverarbeitung der Bausteine
erlauben im Gegensatz zu rein Mikrocontroller-basierten Schaltungen eine höhere
Funktionalität bei kleineren Verlustleistungen. Dank der Reprogrammierbarkeit
ist es möglich, die aktuell notwendige Algorithmik sogar zur Laufzeit
anzupassen.
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Infokasten
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Actel Igloo-Serie
Im vorgestellten Kamera-Sensor steckt der Actel-FPGA Igloo
AGL250V5- VQ100, vertrieben von MSC. Die Actel-Bausteine verbrauchen mit
lediglich fünf Mikrowatt etwa 200 Mal weniger statische Leistung als
Wettbewerbsprodukte. Das prädestiniert sie für Anwendungen im Lowest-Power-
Bereich und in portablen Geräten. Im so genannten Flash-Freeze-Modus bleiben
FPGA-, SRAM- und Register-Inhalte erhalten. Die I/O werden in den
Tri-State-Modus geschaltet und der FPGA-Kern nicht mehr getaktet. Über ein
Mode-Pin kann der Baustein binnen einer Mikrosekunde wieder zurück ins Leben
gerufen werden.
Actel stellt zudem Igloo Nano sowie Igloo+ her. Der Nano
begnügt sich mit einem Stromverbrauch von nur zwei Mikrowatt. Die Bausteine sind
mit drei mal drei Millimeter die kleinsten am Markt befindlichen FPGA. Da
portable Geräte auch zur kalten Jahreszeit funktionieren müssen, sind diese FPGA
auf einen außergewöhnlichen Temperaturbereich von Minus 20 bis Plus 70 Grad
Celsius spezifiziert. Die Igloo+ wurden neben Stromverbrauch und
Gehäuseabmessungen auch auf erweiterte I/O-Eigenschaften optimiert, unter
anderem unabhängige Schmitt-Trigger-Eingänge und Hot-Swapping-I/O.
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IPQ
Das Institut für Photonik und Quantenelektronik der Uni
Karlsruhe arbeitet im Karlsruher Institut für Technologie (KIT) auf dem Gebiet
der photonischen Kommunikationstechnik. Gefördert vom BMBF und der EU werden
hochintegrierte optische Schaltungen auf Silizium-Chips entwickelt und im
Bereich der optischen Weitverkehrs- und Zugangsnetze gearbeitet. Forschungen zur
ökonomischen Nutzung der verfügbaren Energie führten zur optischen Fernspeisung
elektronischer Sensoren über eine Glasfaser.
ITIV
Die Aktivitäten des Instituts für Technik der
Informationsverarbeitung gliedern sich in drei Forschungsbereiche: Prof.
Dr.-Ing. K. D. Müller- Glaser führt im Bereich Systems Engineering die Arbeiten
zum durchgängigen Systementwurf durch, Prof. Dr.-Ing. J. Becker vertritt den
Bereich Eingebettete elektronische Systeme mit den Schwerpunkten
SoC-Integration, Architekturentwurf und anwendungsspezifische EDA-Verfahren. und
Prof. Dr. rer. nat. W. Stork etablierte die Mikrosystemtechnik und Optik mit den
Forschungsschwerpunkten in der Medizintechnik und der industrielle Messtechnik.
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Autoren:
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Michael Dreschmann und Michael Hübner forschen am ITIV,
Moritz Röger am IPQ
Volker Schäfer ist Productmanager Actel bei MSC Vertriebs GmbH
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veröffetnlicht in:
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elektronikJOURNAL 06/2009 S.70-72
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Redakteur:
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(lei)
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Kontakte
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